Kein namhafter Politiker lasse sich in Deutschland öffentlich in einem Gourmetrestaurant blicken, so Edip Sigl. Auch Markus Söder, der unter dem Hashtag "#söderisst" seine kulinarischen Vorlieben teilt, sei bislang bei keinem der anwesenden Köche zu Gast gewesen. Dabei trage die Spitzengastronomie erheblich zur touristischen Attraktivität Deutschlands bei, sagte der saarländische Drei-Sterne-Koch Christian Bau: "Es werden Milliarden für Tourismus- und Kulturförderung ausgegeben. Bei uns kommt davon nichts an." Als positives Gegenbeispiel nannte Bau die skandinavischen Länder, wo kulinarischer Tourismus gezielt gefördert werde und folglich boome: "Alles wegen ein paar Restaurants und starker, zeitgemäßer Kommunikation mit Power."
Spitzenköche kritisieren Söder: "Lupenreiner Populist"
Markus Söder (Archiv) / Foto: über dts Nachrichtenagentur
Sieben der höchstbewerteten Spitzenköche Deutschlands haben sich kritisch zur politischen und gesellschaftlichen Stellung der Spitzengastronomie in Deutschland geäußert - und dabei insbesondere Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) deutlich kritisiert.
"Macron lädt die besten Köche in den Élysée-Palast ein, Markus Söder verbreitet bei Instagram seine Besuche bei McDonald`s", sagte der Münchner Drei-Sterne-Koch Jan Hartwig dem Nachrichtenmagazin "Focus". Söder sei ein "lupenreiner Populist".
Das Gespräch fand im Münchner Restaurant "Tantris" statt. Eingeladen waren Küchenchefs mit zusammen 18 Michelin-Sternen: Jan Hartwig ("JAN", München), Christian Bau ("Victor`s Fine Dining", Perl-Nennig), Jan-Philipp Berner ("Söl`ring Hof", Sylt), Edip Sigl ("Ess:enz", Grassau), Anton Gschwendtner ("Atelier", München), Thomas Schanz ("Schanz", Piesport) sowie Gastgeber Benjamin Chmura ("Tantris", München).
Einhellig bemängelten die Köche eine geringe Wertschätzung durch die Politik.
